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2. DOS-Grundkurs

MS-DOS (MicroSoft Disk Operating System) bzw. IBM-PC-DOS ist das am weitesten verbreitete Betriebssystem für PCs. Z.Zt. installierte Version (PC-Netzwerk): DOS 6.2.

Hinweis: ``Microsoft Windows'' (Windows 3.1, Windows für Workgroups) ist eine graphische Benutzeroberfläche mit einer Erweiterung des Betriebssystems MS-DOS, auf dem es aber immer noch basiert. Für ``Windows 95'' gilt diese Einschränkung noch teilweise, erst ``Windows NT'' ist ein eigenständiges Betriebssystem.

2.1 Systemstart (Boot-Prozeß)

beim Einschalten (Kaltstart) oder Neustart (Warmstart). Neustart mit Reset-Knopf (falls vorhanden) oder durch Drücken der Tastenkombination Alt+Strg+Entf bzw. Alt+Ctrl+Delete.

  1. ROM-Startprogramm [ROM-BIOS: Basic Input/Output System]: a) Zuverlässigkeitstest (Selbsttest, Speichertests), b) Initialisierungsprozeß, Überprüfung der Geräteausstattung, c) Aufruf des Urladers (``Boot-Strap-Loader'') => sucht den Boot-Eintrag auf der Diskette; dieses Kurzprogramm lädt das Disketten-Betriebssystem (d.h. DOS).
  2. Laden von DOS. Erforderlich: spezielle Systemdiskette (!) bzw. ``bootfähige'' Festplatte. Grundbestandteile: IO.SYS (BIOS, Ein-/Ausgaberoutinen) und MSDOS.SYS (DOS-Routinen) als versteckte Dateien sowie COMMAND.COM (Befehls-Interpretierer). Hinweis: IO.SYS und MSDOS.SYS werden permanent ins RAM geladen, COMMAND.COM nicht (nur zum Teil). COMMAND.COM führt die internen Befehle selbst aus (CD, CLS, COPY, DATE, DEL, DIR, ECHO, ERASE, MD, PATH, PROMPT, RD, REN, SET, TIME, TYPE, VER, VERIFY, VOL ...), ruft externe DOS-Befehle von der Platte/Diskette ab (FORMAT -> FORMAT.EXE, PRINT -> PRINT.EXE) und sucht sonstige Programme (.COM, .EXE, .BAT) im ``Suchpfad'' (PATH).

2.2 Dateien, Unterverzeichnisse

Dateinamen (z.B. MYNAME oder DATEINAM.EXT) bestehen aus maximal 8 Zeichen; optional kann ein Punkt (.) und eine Erweiterung aus maximal 3 Zeichen folgen. Groß- und Kleinbuchstaben werden unter DOS (!) nicht unterschieden, sind also äquivalent (im Gegensatz zu UNIX!); intern werden Großbuchstaben verwendet. Alle auf Disketten/Platten gespeicherte Information wird in Form von Dateien (engl.: files) verwaltet. Achtung: Speicherplatz wird stets in Clustern reserviert. Selbst eine nur 1 Byte lange Datei beansprucht auf einer 200-MB-Festplatte 4096 Byte (= 1 Cluster)!

2.3 Ordnungsprinzipien

  1. Dateien können auf verschiedenen Laufwerken gespeichert sein (bzw. werden). Angabe des Laufwerks durch den Laufwerksbuchstaben, gefolgt von einem Doppelpunkt (:). Beispiel: A: (erstes) Diskettenlaufwerk, B: zweites Diskettenlaufwerk, C:, D: Festplatte (Partitionen), E: Netzwerk-Platte, ...
  2. Unterverzeichnisse als ``Ordner'': Unmittelbar auf einem Laufwerk liegt das Hauptverzeichnis (Wurzelverzeichnis). Wegen dessen begrenzter Kapazität und insbesondere aus Gründen der Übersichtlichkeit werden Unterverzeichnisse (engl.: subdirectories) angelegt. Jedes Unterverzeichnis hat einen Verzeichnisnamen, der analog zu einem Dateinamen (s.o.) gebildet wird; eine Erweiterung ist erlaubt, wird aber in der Regel nicht verwendet. Unterverzeichnisse können weitere Unterverzeichnisse haben (Verschachtelung). Zur Bildung von Pfadnamen werden Unterverzeichnisnamen und Dateinamen durch einen ``Backslash'' (umgekehrter Schrägstrich \) voneinander getrennt. Vollständige Dateibezeichner bestehen aus:

Dateibezeichner

Laufwerksbuchstabe                C:
Pfad (= Unterverzeichnis[se])     \TEXTE\BRIEFE
Dateiname                         ANTRAG96
Erweiterung                       .TXT

Dateibezeichner                   C:\TEXTE\BRIEFE\ANTRAG96.TXT

Hinweise: Wird nur der Dateiname (ohne Pfad) angegeben, sucht DOS im aktuellen Unterverzeichnis. (Das Verzeichnis kann mit dem Kommando CD gewechselt werden.) Bei einigen DOS-Kommandos (DIR, COPY, DEL) können Platzhalter im Dateinamen verwendet werden: ? steht für 1 beliebiges Zeichen, * steht für mehrere (oder auch gar kein) Zeichen. Beispiele:

COPY *.TXT A: (kopiere alle Texte auf die Diskette)

DEL BRIEF?.BAK (lösche die Sicherheitskopien der Briefe)

Ausführbare Programme haben die Erweiterung .COM oder .EXE (diese brauchen zum Starten nicht mit angegeben zu werden; das gleiche gilt für Stapeldateien .BAT).

Einige DOS-Befehle

DIR                           ``directory'': Verzeichnis ausgeben
DIR *.TXT                     alle Text-Dateien auflisten
COPY C:\TEXTE\KAP1.TXT A:     kopiere den Text ``KAP1'' auf die Diskette
COPY A:*.* C:\ORDNER          kopiere den Disketteninhalt ins Verzeichnis ORDNER
DEL *.BAK                     lösche alle ``Sicherheitskopien''
REN ALT.NAM NEU.NAM           Datei ALT in NEU umbenennen
MD CUNO                       neues Unterverzeichnis ``CUNO'' anlegen
RD CUNO                       leeres (!) Unterverzeichnis entfernen
CLS                           ``clear screen'': Bildschirm löschen
FORMAT A:                     Diskette auf 1.44 bzw. 1.2 MB formatieren (HD)
FORMAT A: /4                  5 1/4''-Diskette auf 360 KB formatieren
FORMAT A: /F:720              3 1/2''-Diskette auf 720 KB formatieren
DATE                          Systemdatum anzeigen bzw. ändern
TIME                          Systemzeit anzeigen bzw. ändern
TYPE READ.ME                  Auflistung einer ``ASCII''-Datei
PRINT READ.ME                 Drucken einer ``ASCII''-Datei
VER                           zeigt die DOS-Versionsnummer
VOL                           zeigt den Namen des Laufwerks
CHKDSK                        informiert über die Plattenbelegung

Wichtige MS-DOS-Kommandos

CD         CD Pfad oder CD .. (zur höheren Ebene) oder CD \ (Wurzelverzeichnis) change directory
CHKDSK     check disk (Information über die Plattenbelegung)
           CHKDSK [d:][Pfad][Datei] [/F Korrektur, /V Dateien anzeigen]
CLS        clear screen (Bildschirm löschen)
COPY       copy [Pfad]name.ext [Pfad][name.ext] kopieren. Optionaler Parameter: /V verifizieren.
           Bsp.: COPY c:\ordner1\datei1.txt a:\datei2
DATE       Datum tt.mm.jj
DEL        [Pfad]name.ext Datei löschen (delete)
DIR        directory (Dateiverzeichnis) [.. höhere Ebene, /P seitenweise, /W kurz]
ECHO       [on off] (Text) Textausgabe auf Bildschirm
ERASE      [Pfad]name.ext Datei löschen (= DEL)
FIND       z.B. DIR |FIND "EXE" (alle ``...''-Dateien); FIND [/V][/C][/N] ``Zeichenfolge'' [datei]
FORMAT     FORMAT A: Diskette formatieren (HD);
           FORMAT A: /4 (5 1/4'' auf 360 KB);
           FORMAT A: /S (DOS-Systemdiskette erzeugen)
MD         make directory (neues Verzeichnis anlegen). Bsp.: MD ebene2
MORE       (Stop nach jeder Seite) z.B. TYPE datei |MORE
PATH       Suchpfade, PATH Pfad1;Pfad2;Pfad3
PRINT      PRINT datei drucken einer Datei (verschiedene Optionen)
PROMPT     (Systemanfrage) $p (Pfad), $g (Pfeil >), $t (Zeit), $d (Datum),
           $h (Backspace), $_ (line feed)
RD         remove directory (Verzeichnis löschen; das Verzeichnis muß leer sein!)
REN        REN name1 name2 rename (neuer Name)
SET        Einstellungen anzeigen bzw. ändern (comspec, prompt, path)
SORT       sortieren, z.B. DIR |SORT (/R rückwärts, /+n ab Spalte n)
TIME       Zeit hh:mm:ss
TYPE       listet eine ASCII-Textdatei (seitenweise mit |MORE)
VER        zeigt die MS-DOS-Versionsnummer
VERIFY     [ON OFF] verifizieren (beim Kopieren)
VOL        Laufwerksname wird angezeigt

Weitere MS-DOS-Kommandos

APPEND       Suchpfad für Hilfsdateien (außer BAT, COM, EXE)
ASSIGN       Laufwerk zuweisen; ASSIGN A=C (Umleitung auf C:)
ATTRIB       Lese/Schreibschutz ATTRIB [+R -R] [+A -A] [Pfad]name[.ext];
             +R nur lesen (Schreib-/Löschschutz), +A Änderungsattribut setzen.
BREAK        [ON OFF] Reaktion auf Ctrl-Break
COMMAND      [d:][Pfad][/P][/Czeichenfolge][/E:xxxxx] Aufruf eines neuen Befehlsinterpretierers
COMP         COMP datei1 datei2 vergleicht zwei Dateien
CTTY         CTTY com1 Umlenkung der Standardein- und -ausgabe (von CON)
DISKCOMP     vergleicht zwei Disketten
DISKCOPY     DISKCOPY d: d: kopiert vollständige Disketten
GRAPHICS     zum Ausdrucken von Grafik
JOIN         (logische Verknüpfung zweier Verzeichnisse)
KEYB GR      deutsche Tastaturbelegung (bis DOS 3.2: KEYBGR)
LABEL        label a: name  (Erstellen oder Ändern von Disketten-Namen)
MODE         (Betriebsmodus für Drucker und asynchrone Datenübertragung, s.u.)
RECOVER      Wiederherstellung von Dateien auf Diskette mit defektem Sektor
REPLACE      REPLACE [Pfad]name [Pfad] [Optionen] ersetzt Dateien
SHARE        Unterstützung für gemeinsamen Dateizugriff
SUBST        SUBST d: d:Pfad Verwendung eines Laufwerkbuchstabens für einen Pfad
SYS          SYS d: Kopieren der System-Dateien auf neue Diskette
TREE         TREE [d:][/F] Auflistung der Unterverzeichnisse (mit Dateien)
UNDELETE     gelöschte Dateien wiederherstellen
XCOPY        kopiert Gruppen von Dateien (XCOPY C:\vrz A: [/M /S])

2.4 DOS: ``Filter''-Befehle

MORE stoppt die Anzeige nach jeder Seite, Bsp.: TYPE read.me | MORE

SORT sortieren (/R rückwärts, /+n ab Spalte n), Bsp.: DIR | SORT /+14 (sortiert nach Dateigröße)

FIND suche Zeichenfolge (/N mit Zeilennummer, /C nur Anzahl der Treffer, /V nicht enthalten), Bsp.:
DIR | FIND "BAT" (u.a. alle *.BAT-Dateien)
FIND "text" datei.nam (finde ``text'' in einer ASCII-Datei)

2.5 DOS: Umlenkung der Ein- oder Ausgabe

< dient zur Umlenkung der Eingabe, Bsp.: MORE < read.me (wie TYPE read.me | MORE)

> dient zur Umlenkung der Ausgabe, z.B. auf den Drucker (prn):

TYPE read.me > prn (wie PRINT read.me)

>> lenkt ebenfalls die Ausgabe um, wobei der Text an eine vorhandene Datei angehängt wird.

Geräte: CON (Terminal), PRN oder LPT1 (Drucker), COM1, COM2, ... (RS232: serielle Schnittstellen).

Umlenkung der Ein- oder Ausgabe

>prn        Ausgabe auf den Drucker
>datei      Ausgabe auf eine Datei
>>datei     Ausgabe an eine Datei anhängen
<datei      Eingabe von einer Datei
>nul        Ausgabe unterdrücken

2.6 DOS: Systemparameter anzeigen/ändern

SET Systemparameter anzeigen bzw. ändern.

COMSPEC=C:\COMMAND.COM (hier steht der DOS-Befehlsinterpretierer)

PATH=Pfad1;Pfad2;Pfad3 (Suchpfade für Befehle und Programme)

PROMPT=$p–$g (``System-Prompt'', hier C:\-->; $p Pfad, $g >, $d Datum, $t Zeit)

2.7 DOS: Stapeldateien (``batch files'', *.BAT)

sind Zusammenfassungen von (beliebigen) DOS-Befehlen in (ASCII)-Textdateien. AUTOEXEC.BAT (im Hauptverzeichnis) wird automatisch beim Systemstart ausgeführt (nach Abarbeitung von CONFIG.SYS).

Spezielle DOS-Befehle für Stapeldateien:

ECHO ON (bzw. OFF) Befehle werden (nicht) angezeigt

ECHO text Anzeige von text auf dem Bildschirm

GOTO marke Sprungbefehl

:marke Sprungziel (mit vorangestelltem : Doppelpunkt), muß als separate Zeile stehen

IF bedingung befehl bedingte Anweisung

IF EXIST [pfad]name.ext GOTO start Sprung, wenn die Datei existiert

IF NOT EXIST [pfad]name.ext GOTO ende

IF ERRORLEVEL 1 ... (bei Fehlermeldung 1 ...)

IF X%1==Xname ... (Parameter 1 = name ?)

(%1 steht für den ersten Übergabeparameter, %2 für den zweiten usw.; beachte das verdoppelte = Zeichen; das X dient hier nur als Schutzmaßnahme für den Fall, daß kein Parameter übergeben wurde)

FOR %%variable IN (satz) DO befehl => Wiederholung. Bsp.:

FOR %%f IN (bsp1.txt bsp2.txt bsp3.txt) DO DIR %%f bewirkt:

        DIR bsp1.txt
        DIR bsp2.txt
        DIR bsp3.txt

REM kommentar Kommentar-Zeile

MODE

MODE LPT1:80,6[,P] Drucker-Einstellung (80 Zeich./Zl., 6 cpi)

MODE LPT1=COM1 Druckausgabe über COM1 lenken

MODE COMn[:]baud[,[parität][,[datenbits][,[stopbits][,P]]]] P:Wdh.

MODE [n][,[m][,T]] 40,80,BW40,BW80,CO40,CO80,MONO (Bildschirm)

spezielle Tastenbefehle (DOS-Ebene)

Pause             stoppt die Bildschirmausgabe vorübergehend; weiter mit (fast) beliebigem Tastendruck
Strg-Untbr        (Ctrl-Break) Abbruch eines Befehls
Druck             (Shift-PrintScr) druckt Bildschirm-``Hardcopy'' [Text, bzw. GRAPHICS (s.o.)]
ESC               Eingabe löschen
Alt-Strg-Entf     (Alt-Ctrl-Delete) Rechner neu ``booten''
Alt-Strg-F1       (bei KEYB GR) umschalten auf US-Tastatur
Alt-Strg-F2       (bei KEYB GR) umschalten auf deutsche Tastatur

F1                wiederholt letztes Kommando zeichenweise
F3                wiederholt letztes Kommando
F5                (@ Eingabe löschen)
F6                Strg-Z (^Z) Dateiende

Strg-C            Abbruch
Strg-P            Druckerausgabe ein-/ausschalten
Strg-S            stoppt Bildschirmausgabe

2.8 ``Fertige'' Anwenderprogramme

Textverarbeitung (Word, Word für Windows, WordPerfect, WordStar, ChemText, Wi-Tex, T^3, ChiWriter, ...), wissenschaftlicher Textsatz (TeX, LaTeX), Desktop Publishing (Pagemaker, Framemaker, Ventura Publisher, Calamus), Datenbankprogramme (ChemBase, dBase, Access, FoxPro ...), Tabellenkalkulation (Lotus 1-2-3, Excel, Quattro), Graphik- und Zeichenprogramme (allg. Zeichenprogramme wie Windows Draw, Paintbrush, Designer, Corel Draw; Geschäftsgrafiken mit Harvard Graphics), chemische Formelzeichenprogramme (ISIS/Draw, ChemWindow, C-Design, Chemograph, ChemDraw), CAD (Computer Aided Design, z.B. AutoCAD), quantenmechanische Rechenprogramme (z.B. HMO, INDO, MNDO), Simulationsprogramme (z.B. für die Spektroskopie), ``Problemlöser'' (Eureka), Kommunikationsprogramme (Procomm, Kermit, Telix), Statistik-Programmpakete (SPSS), Molekülgrafik, ``Molecular Modeling'' (Alchemy, Moby, Hyperchem), Literaturstellen-Verwaltung (VCH Biblio, Reference Manager), Mathematik-Programme (Mathematica, MathCad, Maple, Gauss) u.v.a.m.


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