DFN-Projekt Chemie.DE

Aufbau eines Internet-Informationsdienstes für die Chemie

Die komplexen Aufgaben, denen sich die Chemie bei der Analyse von Stoffen, der Entwicklung neuer Produkte und der Vorhersage von Eigenschaften gegenübersieht, erfordern den immer stärkeren Einsatz der Datenverarbeitung auf diesem Gebiet. Während durch aufwendige Simulationsrechnungen die Chemie zu einem der Hauptabnehmer von Rechenleistung im wissenschaftlichen Bereich geworden ist, liefern Analysegeräte in kurzer Zeit Meßergebnisse, deren Deutung nur noch durch intelligente Verfahren der Informationsverarbeitung in vertretbarer Zeit möglich ist. Hinzu kommt eine Flut von Informationen, die auf den Netzen und in Datenbanken zu chemischen und biochemischen Fragestellungen angeboten werden, deren Einordnung und rationelle Sichtung den einzelnen Wissenschaftler in vielen Fällen jedoch zeitlich überfordert. Die Einrichtung eines zentralen Informationsservice für das Gebiet der Chemie kann entscheidend dazu beitragen, das Informationsangebot sinnvoll zu strukturieren und damit effizient nutzbar zu machen.

Aufgrund der besonderen Darstellung in chemischen Formeln oder Aminosäuresequenzen (2-dimensional) beziehungsweise in räumlichen Strukturen und Oberflächen (3-dimensional), seit neuestem auch in Videosequenzen von chemischen Reaktionen, werden spezielle Anforderungen an Darstellung und Suchstrategie auf diesem Fachgebiet gestellt. Hierfür gibt es zur Zeit nur Ansätze, die - möglichst in internationaler Zusammenarbeit - weiterentwickelt und standardisiert werden müssen.

Durch die Vielzahl des Angebots an Public-Domain- und kommerzieller Software auf dem Gebiet der Chemie und Biochemie wird die Auswahl der für eine bestimmte Aufgabenstellung einzusetzenden Produkte immer schwieriger; für eine bessere Übersichtlichkeit müssen an einer zentralen Stelle Kurzbeschreibungen und Adressen von Ansprechpartnern für ein möglichst vollständiges Spektrum chemisch orientierter Software bereitgehalten werden. Generell sollten diese Daten sowohl als Listen als auch in Form von Datenbanken mit leicht zu bedienenden Suchwerkzeugen bereitstehen.

Die Unüberschaubarkeit der bereits heute im Internet angebotenen Information verlangt für einzelne Fachgebiete eine Sammlung von Dokumentinhalten fachspezifischer Server, wiederum als Datenbank mit verschiedenen Suchkriterien (z.B. Lokalisation, Arbeitsgebiet, Untersuchungsmethoden, eventuell auch Personen).

Auf einem zentralen Informationsserver für den Bereich der Chemie müssen auch Dienstprogramme für eine leichtere Einsetzbarkeit von Software auf unterschiedlichen Rechnerplattformen angeboten werden sowie Datenbanken von allgemeinem Interesse, z.B. über Gefahrstoffe; daneben ist das Angebot eines Tagungs- und Veranstaltungskalenders und einer Jobbörse sicherlich von Nutzen.

Gegenüber den großen Datenbankanbietern muß eine zentrale Stelle darauf dringen, daß benutzerfreundliche und modernen Anforderungen entsprechende Schnittstellen zur Verfügung gestellt werden; hierbei muß auch über Zugangsbeschränkungen und mögliche Abrechnungsmodelle nachgedacht werden. Die Veröffentlichung von Preprints, wie in anderen Fachgebieten üblich, sollte zumindest diskutiert werden; dagegen können für Aufgaben wie die Bereitstellung von Lehrprogrammen oder einheitlicher, benutzerfreundlicher Zugriff auf Fachbibliotheken im Rahmen des Projekts nur Vorarbeiten geleistet werden.

Am Fachbereich Chemie der Freien Universität Berlin wurde im Juni 1993 der erste WWW-Server auf dem Gebiet der Chemie in Deutschland eingerichtet. Auf diesem Server sind bereits viele der oben beschriebenen Aufgaben in Ansätzen verwirklicht, so daß - zusammen mit der großen installierten Softwarebasis und einer schnellen Netzanbindung - optimale Voraussetzungen für die Durchführung eines Projekts dieses Anspruchs vorliegen.

Ziele

Software

Termine

Internet-Information

Arbeitsmarkt

Entwicklungsarbeiten

Mitglieder des Projektteams:

H. Benedict, H. Busse, W. Dreißig, B. Kirste, T. Richter, C. Schröter

Projektträger:

Gefördert vom Verein zur Förderung des Deutschen Forschungsnetzes (DFN) mit Mitteln des BMBF


Chemie.DE Projektteam, 1996-12-20