Untersuchungen an Phenoxylradikalen aus Bisphenolen mit magnetischen Resonanzmethoden

Burkhard Kirste [a] und Robert West [b]

(a) Institut für Organische Chemie der Freien Universität Berlin Takustr. 3, 1000 Berlin 33; (b) University of Madison, Wisconsin

Die Oxidation sterisch abgeschirmter Phenole liefert Phenoxylradikale, die unter Luftausschluß einige Zeit haltbar sind. Geht man von Bisphenolen aus, so erhält man bei vorsichtiger Oxidation zunächst Monoradikale. Weiteroxidation sollte zu Biradikalen führen, sofern nicht ein diamagnetisches chinoides System ausgebildet wird [1]. Allerdings reicht die chemische Stabilität von Phenoxylradikalen nicht an diejenige von Galvinoxylen, Nitroxiden oder Verdazylen heran, so daß eventuell paramagnetische Folgeprodukte anstelle der erwarteten Biradikale erhalten werden. Andererseits wurde auch über die Bildung eines biradikalischen Dimeren statt einer chinoiden Struktur berichtet [2]. Bei unsymmetrischen Bisphenolen stellt sich die Frage, welche phenolische Einheit zuerst oxidiert wird bzw. ob Gemische auftreten.

Untersucht wurden die Oxidationsprodukte einer Reihe von Bis(2,6-di-tert-butyl)phenolen mit den Methoden der EPR-, ENDOR-, TRIPLE-Resonanz- und NMR-Spektroskopie. Obwohl stets die Ausbildung chinoider Strukturen in der zweiten Oxidationsstufe prinzipiell möglich war, gelang in einigen Fällen der Nachweis von Biradikalen.

[1] K. Mukai, N. Inagaki, Bull. Chem. Soc. Jpn. 53, 2695 (1980).
[2] L. A. Wendling, R. West, J. Org. Chem. 43, 1573 (1978).


Burkhard Kirste, 1995/10/03